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EU-Recht und Fluggastrecht | 14.07.2020

Passagier­rechte

Wenn am Himmel Chaos herrscht: Die Passagier­rechte bei umgebuchten Flügen

Welche Änderungen Passagiere hinnehmen müssen

Die schlechte Nachricht kommt per E-Mail - und infolge von Corona derzeit ziemlich oft: „Leider verschiebt sich Ihr Flug!“ Müssen Passagiere eine solche Änderung hinnehmen?

Statt am Montag startet das Flugzeug erst am Dienstag, oder der Abflug wird vom Vormittag in den Abend verlegt: Änderungen wie diese kommen im Sommer 2020 aufgrund der Nach­wirkungen des Corona-Flugstopps regelmäßig vor. Für Betroffene ist das ärgerlich - doch Flug­passagiere haben Rechte.

Viele Flüge finden nicht wie geplant statt

Das Problem von Flug­verschiebungen scheint derzeit groß zu sein. „Die pausenlos eingehenden telefonischen Hilferufe von Flugkunden sowie die rekord­verdächtig vielen Schlichtungs­anträge sind in der Tat ein Indikator dafür, dass es diesen Sommer in der Luftfahrt recht turbulent zugeht“, sagt Heinz Klewe, Geschäfts­führer der Schlichtungs­stelle für den öffentlichen Personen­verkehr (söp).

Fairplane setzt sich für Rechte der Fluggäste ein

Das bestätigt auch Fairplane. Das Portal setzt - gegen Provision - die Rechte von Fluggästen gegenüber Fluggesellschaften durch. „Es sieht ganz klar nach einem Chaosjahr wie nach der Air-Berlin-Pleite aus“, sagt Fairplane-Geschäfts­führer Andreas Sernetz. Der Grund: „Die Flüge, die im Winter verkauft wurden, werden im Sommer nicht mehr geflogen.“ Fast kein Flug finde so statt wie geplant.

Fluggesellschaften bedienen wieder 60 % ihres Streckennetzes

Der Bundes­verband der Deutschen Luft­verkehrs­wirtschaft (BDL) sieht das anders: Seit Anfang Juni nähmen die Fluggesellschaften viele Verbindungen wieder auf und bedienten inzwischen wieder 60 Prozent ihres Strecken­netzes. Der aktualisierte Flugplan sei bislang sehr stabil und werde weiter ausgebaut. „Da sich die Pandemie aber in den Ländern sehr unterschiedlich entwickelt, kann es in Einzel­fällen vorkommen, dass aufgrund von staatlich verfügten Reise­beschränkungen Flüge nicht wie geplant stattfinden können“, so der Verband.

Was muss ein Fluggast alles hinnehmen?

Viele Verbraucher sind nun verunsichert, ob und in welchem Maße sie Änderungen der Flugzeiten oder gar des Reisetages hinnehmen müssen. Der Anwalt und Reiserechts­experte Paul Degott sagt: Die Verschiebung eines Fluges oder eine Umbuchung eines Passagiers auf eine andere Verbindung ist rechtlich betrachtet eine Annullierung - und in diesem Fall hat der Kunde das Recht, von seinem Vertrag zurückzutreten. Das heißt: Er muss nicht fliegen und kann sein Geld zurück­bekommen.

Für Pauschalurlauber gilt

Sie können in einem solchen Fall von ihrem Reise­vertrag zurück­treten, wenn der Flug als Reise­leistung des Pakets durch eine Verschiebung erheblich beeinträchtigt ist.

Doch ab wie vielen Stunden Unterschied ist eine Verschiebung als Annullierung zu bewerten? Degott sagt, dies sei ab etwa drei Stunden der Fall - und die Verlegung eines Fluges vom Morgen auf den Abend sei „auf jeden Fall eine wesentliche Änderung der Flugzeit.“

Bis zu 3 Stunden muss man hinnehmen

Nach den Erfahrungen von Fairplane informieren viele Airlines ihre Kunden nicht transparent: „In der E-Mail steht zum Beispiel: „Bitte antworten Sie innerhalb von 24 Stunden, andernfalls gelten die Änderungen als akzeptiert.“ Von Erstattung ist da gar keine Rede“, sagt Fairplan-Sprecher Prof. Ronald Schmid. Er betont jedoch auch: „Flug­verschiebungen bis drei Stunden muss man hinnehmen.“

Wird ein Flug aufgegeben, so ist das daran erkennbar, dass der Ersatzflug eine andere Flugnummer bekommt. Dies sei wiederum ein klares Zeichen für eine handfeste Annullierung. Ein weiteres Ärgernis: Laut Fairplane werden die Änderungen von Hin- und Rückflug dem Kunden meist getrennt mitgeteilt. Das halte Passagiere davon ab, von ihrem Recht auf Erstattung Gebrauch zu machen.

Wie sieht es mit der Entschädigung nach EU-Recht aus?

Passagieren steht laut der EU-Flug­gast­rechte­verordnung eine Ent­schädigung zu, wenn sich ihr Flug mehr als drei Stunden verspätet und keine außergewöhnlichen Umstände vorliegen. Solche Umstände lagen vor, als wegen der Corona-Pandemie alle Flüge gestrichen wurden. Aktuell sei die Lage aber wieder neu zu bewerten, so Paul Degott.

Fairplane rechnet mit vielen gerichtlichen Auseinandersetzungen

„Nur weil man im März den Flugplan gestrichen hat, kann man jetzt nicht eine Verschiebung von einem halben Tag mit Corona begründen“, argumentiert der Jurist. Er geht allerdings davon aus, dass viele Airlines sich dennoch auf außergewöhnliche Umständen berufen werden. Fairplane rechnet hier mit vielen neuen Gerichts­entscheidungen.

Quelle: dpa/DAWR/ku
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