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Bankrecht und Verbraucherrecht | 15.02.2017

Zinsen

Wenn die Zinsen steigen: Sparer und Kredit­nehmer sollten sich darauf vorbereiten

Wenn die Zinsen steigen, können sich Sparer und Anleger meist über ein kleines Plus freuen

Wann die Zinsen steigen, können Experten nur mutmaßen. Leichter ist es für sie die Folgen einzuschätzen. Während Sparer und Anleger mit flexiblen Laufzeiten von einem Plus profitieren können, gilt für Kredit­nehmer: Sie sollten sich schon einmal für diesen Fall wappnen.

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Sparer, Anleger und Kredit­nehmer - alle blicken auf die Europäische Zentralbank (EZB): Wird sie in nächster Zeit die Leitzinsen erhöhen oder nicht? „Für 2017 ist eher nicht damit zu rechnen“, erwartet Max Herbst von der FMH Finanz­beratung in Frankfurt/Main. Ähnlich sieht es Tanja Beller vom Bundes­verband deutscher Banken in Berlin. Neben der Geldpolitik der EZB haben aber auch weitere Faktoren wie die Entwicklung der Inflations­rate in der EU Einfluss auf den Geldmarkt. Deshalb sagt Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucher­zentrale Bremen: „Ob, wie viel und wann die Zinsen steigen, kann letztendlich niemand vorher sagen.“

Vergleich lohnt sich

Einen kleinen Hoffnungs­schimmer gibt es schon jetzt für Sparer. „Experten rechnen damit, dass das Zinsniveau für Spareinlagen mit mehrjährigen Laufzeiten im Jahres­verlauf tendenziell etwas steigen wird“, sagt Tanja Beller vom Bundes­verband deutscher Banken in Berlin. Spareinlagen für kürzere Laufzeiten, etwa Tages-oder Monatsgeld, richten sich hingegen sehr stark nach den Leitzinsen der EZB. Dennoch lohnt sich ein Vergleich. Denn: „Letztlich liegt die Entscheidung über die Zins­gestaltung, wie auch die der sonstigen Konditionen, bei jedem einzelnen Kredit­institut“, erklärt Tanja Beller vom Bundes­verband deutscher Banken in Berlin. Dies ist Teil der individuellen Geschäfts­politik. Generell sollten Sparer ihr Vermögen auf Produkte mit verschiedenen Laufzeiten aufteilen, rät Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucher­zentrale Bremen. Gerade in Niedrigzins-Zeiten sollten sie ihr Geld nicht zu lange binden - ansonsten können sie nicht schnell reagieren, wenn die Zinsen wieder steigen sollten.

Risiko breit streuen

Wer beim Sparen zu 100 Prozent auf Sicherheit setzt, wird der zeit­bestimmt nicht reich. Im Gegenteil: Sparer müssen mit einem realen Verlust rechnen. Da der Zinssatz von 0,05 Prozent unter der Inflations­rate liegt, verlieren Sparer faktisch damit heute schon Geld. Wollen Anleger ihre Rendite steigern, müssen sie risiko­freudiger anlegen - beispiels­weise in Aktien. Um die Gefahr von möglichen Verlusten zu minimieren, sollten Anleger das Risiko breit streuen. „Eine gute Wahl sind hier Fonds, die auf ertragsstarke Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Regionen setzen“, erklärt Tanja Beller vom Bundes­verband deutscher Banken in Berlin. Doch Aktienfonds sind immer eine langfristige Anlage. „Über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten kann dann auch mal eine Phase mit niedrigen Zinsen verkraftet werden“, sagt Max Herbst von der FMH Finanz­beratung in Frankfurt/Main.

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Investieren in sogenannte Exchange-tradedfunds (ETFs)

Indexfonds bilden Börsen­indizes nach - beispiels­weise den DAX-Index oder den europäischen Leitindex Euro Stoxx. Sogenannte Exchange-tradedfunds (ETFs) sind besonders kostengünstig. Denn im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds fallen hier meist keine Ausgabe­aufschläge und weniger Verwaltungs­kosten an. „Daher bleibt bei gleicher Brutto­rendite für den Sparer mehr übrig“, erklärt Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucher­zentrale Bremen.

Sollten die Zinsen steigen, müssen künftige Kredit­nehmer mit höheren Kosten rechnen. „Es ist ratsam, sich den aktuell noch sehr günstigen Zins mit einem Festzins­kredit zu sichern“, erklärt Tanja Beller vom Bundes­verband deutscher Banken in Berlin. Unter Umständen kann sich laut Beller auch eine Umschuldung lohnen: Wenn der aktuelle Zinssatz bei vergleich­barer Laufzeit unter dem vereinbarten Kreditzins liegt und der Kredit­nehmer den Vertrag ohne Zusatz­kosten kündigen kann. Allerdings ist eine vorzeitige Kündigung bei Immobilien­krediten meist nur unter Voraus­setzungen möglich -meist gegen Zahlung einer Vor­fälligkeits­entschädigung.

Bei Anschluss­finanzierung mögliche Zins­steigerungen einplanen

Läuft ein Immobilien­darlehen aus, sollten Verbraucher bei der Suche nach einer Anschluss­finanzierung mögliche Zins­steigerungen einplanen. „Braucht ein Verbraucher in den kommenden zwei Jahren eine Anschluss­finanzierung, sollte er schon jetzt nach günstigen Angeboten Ausschau halten“, empfiehlt Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucher­zentrale Bremen. Denn: Wer sich die derzeit niedrigen Zinsen lange sichert, kann seine Schulden schneller tilgen.

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Von den niedrigen Zinsen profitieren mit Forward-Darlehen

„Möglich ist dies über ein Forward-Darlehen“, erläutert Max Herbst von der FMH Finanz­beratung in Frankfurt/Main. Allerdings müssen Verbraucher dann mit einem Preis­aufschlag rechnen -die Höhe fällt je nach Zins­erwartung der Banken und Sparkassen unterschiedlich aus. Es lohnt sich also Angebote zu vergleichen. „Ob sich am Ende die Kosten für das Forward-Darlehen gegen die Kosteneines eventuell steigenden Zinssatzes gerechnet haben, können Verbraucher erst im Nachhinein beurteilen“, sagt Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucher­zentrale Bremen.

Verbraucher sollten keine gestaffelten Kredite wählen

Von zeitlich gestaffelten Krediten rät Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucher­zentrale Bremen derzeit ab. „Reine Abschnitts­finanzierungen machen Sinn, wenn ein sinkendes Zinsniveau erwartet wird“, erläutert sie. Angesichts des aktuell niedrigen Zinsniveaus und in Erwartung steigender Zinsen sei es sinnvoller, sich die günstigen Zinsen so lange wie möglich zu sichern.

Quelle: dpa/DAWR/ab

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