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Erbrecht | 10.02.2021

Testamente

Wenn mehrere Testamente existieren

Was bei mehreren letztwilligen Verfügungen zu beachten ist

Eine Person kann mehrere Testamente abfassen. Kommt es dabei zu Wider­sprüchlichkeiten, gilt das zeitlich jüngere Testament. Was bei mehreren letztwilligen Verfügungen sonst noch zu beachten ist.

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Ein Testament - viele haben eins, andere keins. Und dann gibt es Fälle, bei denen ein Verstorbener gleich mehrere Testamente hinterlässt. Letzteres muss aber nicht zwangs­läufig zu Problemen führen. „Grund­sätzlich ist es machbar, dass jemand mehrere Testamente aufsetzt, die, falls sie formwirksam sind, dann nebeneinander existieren“, sagt Paul Grötsch, Fachanwalt für Erbrecht in München.

Ein Beispiel

Ein Vater setzt in einem Testament seinen Sohn als Alleinerben ein. Später ordnet er in einem weiteren Testament ein Vermächtnis zugunsten seiner Tochter an, die im Fall seines Todes einen Betrag X bekommen soll. „Beide Testamente gelten“, so Grötsch.

Mehrere Exemplare mit gleichem Inhalt

Denkbar ist auch, dass ein Erblasser mehrere Testamente gleichen Inhalts verfasst und sie an unterschiedlichen Orten hinterlegt - umso auf Nummer sicher zu gehen, dass die Hinter­bliebenen eine dieser Urkunden im Fall eines Falles tatsächlich finden.

„Existieren mehrere form­wirksame Testamente, dann gilt Grund­sätzlich die zuletzt datierte Urkunde“, erläutert Grötsch, der Geschäfts­führer des Deutschen Forums für Erbrecht ist.

Gibt es also zum Beispiel ein Testament vom 19. Februar 2002 und eines vom 24. September 2007, dann ist das Testament vom September 2007 rechts­gültig. Formwirksam ist ein Testament übrigens dann, wenn es der Testator eigen­händig verfasst und unter­schrieben hat.

Das Datum ist von entscheidender Bedeutung

Selbst wenn das Testament vom Februar 2002 notariell beurkundet wurde und das Testament vom September 2007 lediglich handschriftlich vom Testator verfasst ist, ist immer das zuletzt datierte Testament gültig, erklärt Eberhard Rott, Fachanwalt für Erbrecht in Bonn.

So weit, so gut. Aber mitunter kann die Existenz von mehreren Testamenten für massiven Streit sorgen. Der ist wahrscheinlich, wenn es in dem einen Testament heißt: „Mein Sohn ist Alleinerbe“ - und in einem weiteren Testament steht: „Meine Tochter ist Alleinerbin“. Sind dann noch beide Testamente ohne ein Datum versehen, stehen die Hinter­bliebenen vor einem schwer lösbaren Rätsel: Wer ist denn nun Alleinerbe?

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Im Zweifel muss Gericht prüfen

„Solche Fälle landen zumeist vor Gericht“, sagt Rott. Dann muss ein Richter entscheiden. Er kann die Testamente etwa daraufhin prüfen, ob es einen Adressen-Unterschied gibt. Ein Beispiel: Ein Testator lebte in Köln. Dort setzte er ein Testament auf, in dem auch seine Kölner Anschrift vermerkt ist, und machte darin den Sohn zum Alleinerben. Das Testament trägt kein Datum.

Später zog der Testator nach Hamburg. Dort setzte er in einem weiteren undatierten Testament, in dem seine Hamburger Adresse notiert ist, seine Tochter zur Alleinerbin ein. Hamburg war die letzte Wohnadresse des Testators vor seinem Tod. Also ist das Hamburger Testament gültig und die Tochter Alleinerbin.

Zeugen können bei Suche nach Antwort helfen

Um herauszufinden, welches der undatierten und sich widersprechenden Testamente nun das jüngste und damit das gültige ist, kann der Richter auch Zeugen befragen. „Oder der Richter lässt das verwendete Papier von Gutachtern daraufhin überprüfen, wann es jeweils im Umlauf war“, erklärt Rott.

Sollten die Testamente mit Tinte verfasst oder unter­schrieben worden sein, können Gutachter die Tinte in einem chemischen Verfahren daraufhin analysieren, wann sie im Handel erhältlich waren.

Ähnlich geht ein Gericht auch dann vor, wenn es ein datiertes und ein undatiertes Testament gibt und er ausloten muss, welche der Urkunden das frühere und welches das zeitlich spätere Testament darstellt.

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Familie kann sich auch untereinander einigen

Was auch möglich ist: Bei undatierten und sich widersprechenden Testamenten schalten die Hinter­bliebenen zunächst einen Fachanwalt für Erbrecht oder einen Mediator ein. Mit seiner Hilfe machen sie einen Auslegungs­vergleich - einigen sich also untereinander, wie sie mit dem Erbe umgehen wollen.

Können sich Hinter­bliebene nicht auf einen Auslegungs­vergleich einigen, muss das Gericht das Testament auslegen - „eine der schwierigsten Aufgaben eines Richters, schließlich hat er den Verstorbenen zumeist nicht gekannt und kennt folglich nicht seinen letzten Willen“, so Grötsch.

Keine Zweifel entstehen lassen

Erblasser können einen solchen Aufwand aber verhindern: „Das A & O ist, sich im Testament klar und unmiss­verständlich auszudrücken“, sagt Rott, der Vorstands­vorsitzender der Arbeits­gemeinschaft Testaments­voll­streckung und Vermögens­vorsorge ist.

Damit Klarheit herrscht, sollte im zeitlich späteren zum ersten Testament erwähnt werden, was mit früheren letztwilligen Verfügungen geschehen soll - zum Beispiel, ob das zeitlich spätere Testament eine Ergänzung zum ersten Testament sein soll. Oder ob das spätere die erste Verfügung ersetzt.

Älteres Testament vernichten

Ersetzt das spätere das erste Testament, ist es ratsam, der neuen Urkunde einen klärenden Satz voran­zustellen, der in etwa lautet: Hiermit hebe ich alle bisher von mir verfassten Testamente in vollem Umfang auf. Das gehe aber nur, wenn der Erblasser nicht an ein gemein­schaftliches Testament oder an einen Erbvertrag gebunden ist, stellt Grötsch klar.

Verfasst ein Erblasser ein neues Testament, dann sollte er ein existierendes Testament zwingend vernichten. Wird es beim Nachlass­gericht aufbewahrt, dann das alte zurückholen - „und am besten schreddern“, sagt Rott. Das neue Testament bewahrt im Idealfall ebenfalls das Nachlass­gericht auf.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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