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Kaufrecht, Verbraucherrecht und Vertragsrecht | 30.09.2022

Garantie und Gewähr­leistung

Wer haftet für Mängel an Kaufsachen?

Wichtige Fragen und Antworten rund um die Themen Garantie und Gewähr­leistung

Ist ein neu gekauftes Produkt defekt, ist das für Verbraucherinnen und Verbraucher immer ärgerlich. Doch das Gesetz schützt Käufer in der Regel gut.

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Ob es das flackernde Smartphone-Display oder das hakende Getriebe beim Neufahrzeug ist: Käuferinnen und Käufer müssen sich darauf verlassen können, dass Händler ihnen makellose Ware verkaufen. Ist das nicht der Fall, können sie die Mangel­beseitigung verlangen.

Was ist die Garantie und wie unterscheidet sie sich von der Gewährleistung?

„Die Gewähr­leistung ist eine unabrückbare gesetzliche Regelung“, sagt Oliver Buttler von der Verbraucher­zentrale Baden-Württemberg. Sie besagt: Weist ein Produkt innerhalb der ersten 24 Monate nach dem Kauf einen Mangel auf, können Käuferinnen und Käufer die Ware reklamieren - kostenfrei.

Seit dem 1. Januar gilt

Zeigt sich der Mangel innerhalb der ersten zwölf Monate nach Vertrags­schluss, so ist davon auszugehen, dass der Mangel schon bei der Aus­lieferung bestand. Dann müssen Händler Kundinnen und Kunden im Zweifel nachweisen, dass der Schaden auf einen Bedienungs­fehler des Kunden zurückzuführen ist, der die Gewähr­leistungs­ansprüche ausschließen könnte. Tritt zwischen dem 13. und dem 24. Monat nach Kauf ein Mangel an der Kaufsache auf, muss der Kunde nachweisen, dass er den Schaden nicht zu verantworten hat.

„Bei Gebraucht­waren hat ein Händler die Möglichkeit, die Gewähr­leistung auf zwölf Monate herunter­zusetzen“, sagt Buttler. Er müsse das dem Kunden beim Kauf aber mitteilen, ansonsten gälten auch hier 24 Monate.

Daneben gibt es die Garantie, eine freiwillige Leistung, die Händler oder Hersteller ihren Kunden für ihre Produkte bieten können - auch gegen Aufpreis. Hier könne der jeweilige Garantie­vertrags­partner die Spielregeln frei festlegen, sagt Verbraucher­schützer Buttler. Gibt der Hersteller etwa eine Garantie auf ein Smartphone, kann der Akku davon ausgenommen sein. Oder gibt ein Auto­hersteller eine Garantie auf seine Fahrzeuge, kann er vorschreiben, dass die Wartungen immer beim Vertrags­partner durch­geführt werden müssen.

Die Garantie gilt so lange wie vereinbart. Sie kann also auch deutlich über die 24 Monate der gesetzlichen Gewähr­leistung hinausgehen.

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Welche Ansprüche habe ich bei einem Schaden im Gewährleistungs- oder Garantiezeitraum?

Im Gewähr­leistungs­fall haben Kundinnen und Kunden entweder Anspruch auf Neulieferung, Reparatur oder Minderung des Kaufpreises. „Bei der Garantie ist entscheidend, was der Händler vorab versprochen hat“, sagt Oliver Buttler.

Übrigens: Im Gewähr­leistungs­fall liegen Material- und Transport­kosten immer im Verantwortungs­bereich des Verkäufers. Er darf vom Kunden keine Zuzahlung verlangen. „Bei großen Gegenständen, zum Beispiel einem Gefrier­schrank, kann ich verlangen, dass der Verkäufer das abholt oder mir zumindest einen Transport­kosten­vorschuss gewährt“, so Buttler. Dazu sei er verpflichtet.

Habe ich einen Anspruch auf Garantie?

Nein, auf die Garantie besteht kein Rechts­anspruch. Nur die Gewähr­leistung ist Kundinnen und Kunden beim Kauf eines Produkts immer sicher.

Wie sinnvoll ist der Abschluss einer kostenpflichtigen Zusatzgarantie?

Viele Händler bieten zum Beispiel für Elektronik­artikel kosten­pflichtige Zusatz­garantien an. Der Abschluss so einer Garantie ist in den Augen von Verbraucher­schützer Buttler aber nur dann sinnvoll, wenn sie den Zeitraum ab dem Auslaufen der Gewähr­leistung abdeckt. Bis dahin böte die Gewähr­leistung umfassenden Schutz.

Sinnvoll kann so eine Zusatz­versicherung zum Beispiel beim Auto sein, wenn jemand besonders viel damit unterwegs ist. Oder aber beim Smartphone, wenn der Glasbruch mit abgedeckt ist.

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An wen wende ich mich mit meinem Gewährleistungs- oder Garantiefall?

Im Gewähr­leistungs­fall steht immer der Verkäufer in der Pflicht. Im Garantie­fall ist es derjenige, mit dem der Garantie­vertrag geschlossen wurde - das kann entweder der Händler oder der Hersteller sein.

„Manchmal schließt man den Garantie­vertrag beim Kauf automatisch mit dem Hersteller, indem so eine Garantie­karte in der Packung liegt“, sagt Verbraucher­schützer Buttler. In solchen Fällen ist der Hersteller der Ansprech­partner.

An wen wende ich mich, wenn Händler oder Hersteller einen Gewährleistungs- oder Garantiefall abweisen wollen?

Anlauf­stellen zur Durch­setzung von Ansprüchen können Beratungs­stellen der Verbraucher­zentralen, ein Rechtsanwalt oder zum Beispiel die Universal­schlichtungs­stelle des Bundes sein.

Wer sich unsicher ist, ob überhaupt ein Anspruch besteht, kann den kostenlosen Umtausch-Check der Verbraucher­zentrale unter www.umtausch-check.de nutzen. Nach der Eingabe einiger Details bietet der Check eine rechtliche Erst­ein­schätzung. Auch Muster­briefe stehen dort zum Download bereit.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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