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Steuerrecht | 20.07.2017

Steuer­bescheid

Widerspruch beim Finanzamt gegen den Steuer­bescheid lohnt sich

Fehler im Steuer­bescheid können durch Einspruch korrigiert werden

Irren ist menschlich. Das gilt auch für Finanz­beamte. Steuer­zahler sollten deshalb ihren Steuer­bescheid nicht einfach abheften. Denn Fehler lassen sich mit einem Einspruch einfach korrigieren.

Keine Frage: Optisch ansprechend ist ein Steuer­bescheid nicht wirklich. Doch von der nüchternen Gestaltung sollte sich niemand abschrecken lassen - im Gegenteil. „Oft verstecken sich in den Bescheiden Fehler“, erklärt Uwe Rauhöft vom Bundes­verband Lohn­steuerhilfe­vereine (BDL) in Berlin.

Fast zwei Drittel der angefochtenen Steuer­bescheide waren in den vergangenen Jahren fehlerhaft und mussten geändert werden, berichtet die Zeitschrift „Finanztest“ (Heft 8/2017) der Stiftung Warentest.

Korrektur funktioniert in zwei Richtungen

Und zwar zugunsten der Steuer­zahler. Deshalb lohnt es sich eigentlich fast immer, den Steuer­bescheid unter die Lupe zu nehmen. Und zwar nicht nur, weil das Finanzamt etwas übersehen hat. „Auch ich selber kann ja vergessen haben, Kosten geltend zu machen“, erklärt Isabel Klocke vom Bund der Steuer­zahler. Mit einem Einspruch können solche Posten noch nachgereicht werden. „Die Korrektur funktioniert also in zwei Richtungen.“

Und keine Sorge: Eine Ausbildung zum Steuer­berater muss man für die Kontrolle des Bescheids nicht machen. Denn manchmal liegen die Fehler im Detail: „Stimmt etwa die Bank­verbindung?“, stellt Uwe Rauhöft eine grund­legende Frage. „Das ist bei Erstattungen schließlich wichtig.“ Auch ob dem Steuer­zahler eine Sparzulage gewährt wurde, erfährt er oft schon auf der ersten Seite.

Überprüfung auf fehlerhafte Datenübermittlung

„Fehler können grund­sätzlich in allen Bereichen auftreten“, erklärt Uwe Rauhöft. Häufig kommt es zum Beispiel vor, dass Daten fehlerhaft übermittelt wurden. Denn das Finanzamt hält sich zunächst an die Angaben, die Arbeitgeber, Renten­versicherer, Kranken­kassen oder andere Behörden elektronisch übermitteln.

Ein Beispiel: Wird der Kranken­kassen­beitrag Ende Dezember überwiesen, kommt das Geld oft erst im Januar bei der Versicherung an. Daher fehlt der Monats­beitrag in der Meldung der Kranken­kasse. Auch die Daten von Arbeit­gebern oder Renten­versicherungs­trägern müssen nicht immer korrekt sein. Das Missverständnis aufklären muss der Steuer­zahler, erläutert die Stiftung Warentest.

Wenn das Finanzamt BFH-Urteile ignoriert

Aber auch die Rechtsprechung stellt dem Finanzamt mitunter eine Falle beim Erstellen der Steuer­bescheide. Nach einem Urteil des Bundes­finanzhofes (BFH) vom Januar beispiels­weise können Steuer­zahler nun mehr Ausgaben als außergewöhnliche Belastung in ihrer Steuer­erklärung geltend machen als bisher.

So gilt zwar weiterhin eine zumutbare Eigen­belastung. Allerdings kann der Eigenanteil laut BFH gestaffelt nach den Prozent­sätzen der gesetzlich vorgegebenen Stufen ermittelt werden (Bundesfinanzhof, Urteil vom 19.01.2017, Az. VI R 75/14). Bis zu diesem Urteil hatten die Finanz­ämter beim Berechnen des Eigen­anteils den jeweils höchsten Prozentsatz angewandt.

Zwar hat das Bundes­finanz­ministerium am 1. Juni mitgeteilt, die günstigere Rechenregel grund­sätzlich anzuwenden. Allerdings fehlt ein Stichtag, ab wann die Finanz­ämter die geänderte Berechnungs­weise berücksichtigen. „Sie sollten sich nicht darauf verlassen, dass das Finanzamt die neue Rechtsprechung berücksichtigt hat“, sagt Isabel Klocke.

Überprüfung der neuen Rechenweise über den Onlinerechner

Wer prüfen möchte, ob das Finanzamt die neue Rechenweise angewendet hat, kann die Rechner der Finanz­verwaltung nutzen. Unter anderem die Oberfinanz­direktion Nieder­sachsen stellt auf ihrer Internet­seite einen aktualisierten Online­rechner zur zumutbaren Eigen­belastung zur Verfügung. Hat das Finanzamt die neue Rechenweise nicht angewandt, sollte Einspruch gegen den Steuer­bescheid erhoben werden.

Wichtig bei der Steuererklärung für 2016

Wurden zusätzliche Belege an das Finanzamt geschickt, kann es passieren, dass diese nicht berücksichtigt sind. Der Grund: „Oft landen die Steuer­erklärungen nicht mehr auf dem Schreib­tisch eines Bearbeiters“, erklärt Uwe Rauhöft. Denn elektronische Erklärungen werden meist automatisch verarbeitet.

Für die Steuer­erklärungen ab dem Veranlagungs­zeitraum 2017 soll das daher vereinfacht werden: „Dann kann man in den elektronischen Formularen einen Vermerk machen, dass zusätzliche Dokumente an das Finanzamt geschickt wurden“, erklärt Uwe Rauhöft.

Überprüfung des Bescheids lohnt auch noch aus einem anderen Grund

„Mitunter macht das Finanzamt einem Steuer­zahler Auflagen, die in dem Steuer­bescheid mitgeteilt werden“, sagt Uwe Rauhöft. Werden zum Beispiel bei Auswärtst­ätigkeiten spezielle Anforderungen an die Aufzeichnung von Fahrten gestellt, sollten sich Steuer­zahler daran halten. „Andernfalls kann es passieren, dass die Kosten nicht anerkannt werden.“ Und das wäre dann kein Fehler des Finanzamtes.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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