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Arbeitsrecht | 12.02.2018

Arbeits­rechte

Wie Arbeit­nehmer im Job ihre Rechte durchsetzen können

Zur Durchsetzung von Forderungen sollten Arbeit­nehmer ihre Rechte kennen

Genug Pausen, Bildungs­urlaub oder ein Ausgleich von Über­stunden - Arbeit­nehmer haben viele Rechte. Theoretisch. Doch wenn der Arbeitgeber nicht mitspielt, sind die schwer durch­zusetzen. Hilft dann nur der Gang zum Anwalt? Oder geht es noch anders?

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Der Job läuft gut, fachlich ist alles einwandfrei. Doch wenn es darum geht, eigene Rechte gegenüber dem Chef durch­zusetzen, werden selbst gestandene Profis unsicher. Ganz egal, ob es um die Elternzeit oder die Über­stunden geht: Wenn der Chef den Kopf schüttelt und „Geht nicht“ sagt, wissen sich viele nicht zu helfen. Schließlich sitzt man immer am kürzeren Hebel. Oder?

Arbeitnehmer sollten ihre Rechte und Pflichten kennen

Das Problem ist: Oft ist das nicht so. Viele Arbeit­nehmer kennen ihre Rechte aber gar nicht. Der erste Schritt bei Problemen sollte deshalb sein, sich ordentlich zu informieren. Die Rechte und Pflichten eines Arbeit­nehmers sind im Arbeits­vertrag, gegebenenfalls im Tarif­vertrag, in der Betriebs­vereinbarung und in den Arbeits­gesetzen geregelt.

Eine Internet­recherche kann ein Anfang sein - ohne Rück­versicherung beim Experten geht es aber oft nicht. Denn im Detail und im Einzelfall können die Rechte auf Urlaub, auf Pausen, auf ein Arbeits­zeugnis oder rund um die Kündigung ganz unterschiedlich ausfallen.

Rechte durchsetzen - aber der Ton macht die Musik.

Recht haben ist aber nur die eine Hälfte - Recht bekommen die andere, und oft die kompliziertere. Was tun, wenn der Chef abblockt? Hier sind sich Experten einig: Der Ton macht die Musik. „Gleich mit dem Anwalt zu kommen, verstehen Arbeitgeber als Affront. Da redet man schnell über einen Vertrauens­verlust, obwohl der Arbeit­nehmer nur seine Rechte verfolgt“, sagt der Arbeits­rechtler Peter Meyer.

Er rät deshalb, als erstes zu versuchen, die Probleme selbst zu lösen, mit guten Argumenten, die man sich vorher zurecht gelegt hat. Bei der Vorbereitung kann eventuell die Gewerk­schaft oder ein Anwalt helfen. Auch der Betriebsrat hat vielleicht Tipps, auch wenn er keine Rechts­beratung durchführen darf. „Der Arbeits­markt ist ein Arbeit­nehmer­markt geworden. Ein schlauer Arbeitgeber kann keine unzufriedenen Arbeit­nehmer gebrauchen. Das sollte man im Hinterkopf haben“, sagt Meyer.

Wichtig sei dabei ein taktisches Vorgehen, sich die Situation also genau anzusehen. Bei größeren Unternehmen gibt es häufig Strukturen, den Betriebsrat etwa oder eine gute Personal­abteilung, in denen man Konflikte ansprechen und um eine Vermittlung bitten kann. Börsennotierte Unternehmen müssen dafür sogar Compliance-Strukturen schaffen. Schwieriger ist es bei ganz kleinen Betrieben, wo es eigentlich nur einen Chef gibt. Hier ist die Art und Weise, wie man Wünsche äußert und Rechte einfordert, umso wichtiger.

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Durchsetzung der Forderungen notfalls auch mit einem Anwalt

Reagiert so ein Allein­herrscher-Chef nicht auf Wünsche beziehungs­weise begründete Forderungen des Arbeit­nehmers, bleibt oft nur noch der Gang zum Anwalt oder zur Gewerk­schaft. „Allein die jährlichen Meldungen über Über­stunden, die von Arbeit­nehmern geleistet werden, ohne sich diese bezahlen zu lassen, zeigt, wie oft die Arbeit­nehmer auf Rechte verzichten“, sagt Tjark Manssen vom Rechts­schutz des Deutschen Gewerkschafts­bunds (DGB).

Angestellte in kleineren Betrieben seien hier sicher eher betroffen, sagt der Rechts­experte, „weil Arbeit­nehmer bis zu einer Betriebs­größe von zehn Arbeit­nehmern keinen Kündigungs­schutz genießen und deshalb Hemmungen haben, ihre Rechte durch­zusetzen.“ Gewerkschafts­mitglieder können sich von den Organisationen kostenlos beraten lassen. Und wer nicht in der Gewerk­schaft ist, aus finanziellen Gründen aber eine Beratung beim Anwalt scheut, bekommt vielleicht über eine Rechts­schutz­versicherung die Kosten erstattet.

Konfliktlösung durch Mediation

Ein ganz anderer Ansatz der Konflikt­lösung hat die Mediation. Die Idee dahinter: Eine Begegnung auf Augenhöhe, ohne längeren Hebel auf der einen oder auf der anderen Seite. „Viele Streitig­keiten in Unternehmen sind gar nicht rechts­bezogen, meistens geht es dabei um die Klärung von Rollen, Strukturen und die Gestaltungs­möglichkeit der Zusammen­arbeit“, sagt Susanne Fest, Wirtschafts­mediatorin und Inhaberin des Kölner Institut für Konflikt­management. „Wir erleben gerade einen Kultur­wandel in der Wirtschaft. Die Hierarchien verflachen immer mehr - das wirft neue Fragen auf.“

Zunächst sollten Arbeitgeber und Arbeit­nehmer aber versuchen, diese Fragen selbst zu klären - das sieht Fest so wie andere Experten. Erst wenn alle Möglichkeiten zur Klärung mit eigenen Mitteln aus­geschöpft sind, ruft man den Mediator. Sinnvoll kann das vor allem sein, wenn sich im Betrieb gerade etwas ändert: „Manchmal gibt es sehr heraus­fordernde Situationen im Betrieb, etwa neue Vorgaben durch das Mutterhaus oder Heraus­forderungen durch Umstrukturierungen“, sagt Fest. Eventuell ist das Ergebnis der Mediation dann nachhaltiger als ein Gerichts­urteil - weil die Parteien es gemeinsam gefunden haben.

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Quelle: dpa/DAWR/ab
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