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Familienrecht und Sozialrecht | 20.01.2016

Bestattung

Wille des Verstorbenen muss bei der Bestattung berücksichtigt werden

Was ist bei Bestattungen rechtlich zu beachten?

Der Tod bringt nicht nur Trauer, sondern manchmal auch Streit. Denn unter die Erde kommt man auf ganz verschiedenen Wegen. Wenn sich die Angehörigen darüber nicht einig werden, ist Zoff programmiert. Was bei Bestattungen rechtlich zu beachten ist. Trauer ist nicht immer das dominierende Thema, nachdem ein Mensch verstorben ist. Auch um die Beerdigung kann es Streit geben. Liturgie - ja oder nein? Kreuz oder Grabstein? Lieber ein anonymes Gemeinschaftsgrab? Wer entscheidet dann, und welche Rolle spielt dabei der Wille des Toten? Wer muss alles organisieren?

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Angehörige sind für die Organisation einer Bestattung zuständig

In der Regel sind die nächsten Angehörigen für die Organisation einer Bestattung zuständig. Das wird in den Bestattungsgesetzen der einzelnen Bundesländer geregelt. Dort stehen meist Ehepartner oder der eingetragene Lebensgefährte ganz vorn, gefolgt von Kindern und Eltern. Das Recht zur Totenfürsorge sei aber innerhalb der Familie nicht mit einer Pflicht zu verwechseln. „Will der erste Zuständige sich nicht kümmern, können das die nachrangigen Angehörigen übernehmen,“ sagt Rechtsanwältin Stephanie Herzog aus Würselen bei Aachen.

Auch die Kommune kann Bestattung vornehmen

Findet sich aber niemand freiwillig, so wird die Kommune den vorrangig bestattungspflichtigen Angehörigen anhalten, die Bestattung vorzunehmen oder selbst eine Sozialbestattung vornehmen. Deren Kosten werden allerdings den bestattungspflichtigen Angehörigen in Rechnung gestellt, wenn der Nachlass des Toten sie nicht decken konnte. Auch jahrelanger fehlender Kontakt zum Toten nimmt den nächsten Angehörigen nicht aus der Pflicht. Ausnahmen gelten nur bei grobem Undank. Etwa dann, wenn der Gewalt oder Missbrauch gab.

Bestattung muss aus Vermögen des Verstorbenen bezahlt werden

Grundsätzlich legt das Bürgerliche Gesetzbuch fest, dass aus dem Vermögen des Verstorbenen eine angemessene Bestattung bezahlt werden muss. Was angemessen heißt, dafür gibt es keine feste Grenze. Wenn der Verstorbene vermögend war, darf sie unter Umständen etwas teurer als im Durchschnitt sein. Die Kosten muss nicht ein Erbe allein aus seinem Erbteil tragen. Es gilt vielmehr eine Quote: Gibt es mehrere Erben, wird die Summe abhängig von der Größe des Erbteils unter ihnen aufgeteilt.

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Konkrete Wünsche des Verstorbenen zur Bestattung sind bindend

Hat der Verstorbene konkrete Wünsche zur Bestattung geäußert, sind diese bindend. Wünscht er etwa, anonym beerdigt zu werden, könne der Ehepartner ihn nicht einfach in einem Einzelgrab beerdigen. Dagegen könnten andere Angehörige mit einer einstweiligen Verfügung vorgehen.

Das originäre Recht liegt beim Verstorbenen. Es geht nicht um den Willen des Fürsorgeberechtigten. Die Realität sieht nicht selten anders aus. Der Wille ist rechtlich bindend. Wenn jedoch für die Angehörigen klar ist, die Wünsche nicht so umzusetzen, ändern daran auch schriftliche Verfügungen nichts. Denn wo kein Kläger ist, ist kein Richter.

Es müssen auch nicht alle Wünsche des Toten umgesetzt werden. Gerade dann, wenn sie die Angehörigen stark belasten. Wie das Beispiel eines Mannes zeigt, der seinen Staub in der Schweiz zu zwei kleinen Diamanten pressen lassen wollte. Die Steine sollten danach in zwei Schmuckstücke für seine Töchter verarbeitet werden. Die haben das abgelehnt, weil sie damit nicht zurechtgekommen wären.

Hat der Verstorbene einen Vorsorgevertrag mit einem Bestatter abgeschlossen, regelt dieser die Beerdigung

Ganz aus dem Spiel sind die Angehörigen oft, wenn der Verstorbene einen Vorsorgevertrag mit einem Bestatter gemacht hat und diesen im Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer als Bevollmächtigten für seine Beerdigung eingetragen hat. Voraussetzung: Die Finanzierung ist übe reine Sterbegeldversicherung, ein Treuhandkonto oder das Erbe gedeckt. Andernfalls können die Angehörigen entscheiden, ob sie die Wünsche des Toten umsetzen.

Die Verfügungen des Verstorbenen müssen umsetzbar sein. Dennoch sind grundsätzliche Festlegungen wie etwa die Art der Bestattung für den Bestatter unverrückbar, wenn der Tote mit ihm einen Vertrag gemacht hat. Dafür können die Rituale alternativ gestaltet werden.

Dürfen die Angehörigen allein über Bestattungsart, den Ablauf der Beerdigung und die begleitenden entscheiden, gibt es mitunter einige Unstimmigkeiten. Das betrifft häufig die Frage, ob es eine Feuer- oder Erdbestattung sein soll. Auch die Fragen, wer auf der Trauerfeier eine Rede hält. Bei Uneinigkeiten muss versucht werden, die Angehörigen an einen Tisch zu kriegen. Dann können einzelne Möglichkeiten und deren Konsequenzen geklärt werden, um so auch Lösungen, zu finden.

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Bestatter können im Streitfall nur vermitteln

Niemand streitet so heftig wie Erben. Allerdings lässt die Bestattung meist nicht solange auf sich warten, wie der Streit andauert. In der Regel spätestens nach sieben bis zehn Tagen muss sie stattfinden. Die öffentliche Hand setzt vorher Fristen an den Fürsorgepflichtigen.

Bestatter können an der Stelle nicht entscheiden, wer Recht hat oder nicht. Gerade dann ist eine einvernehmliche Lösung so erstrebenswert. Bestatter können nur vermitteln. Urteile müssen die Gerichte fällen. Ist ein Auftrag an den Bestatter erteilt, ist der für ihn bindend. Er wird ihn dann entsprechend durchführen.

Das kann auch nachträglich böse Folgen haben. Wenn zum Beispiel ein Angehöriger hervorprescht, eine bestimmte Bestattung in Auftrag gibt und damit den oder die Totenfürsorgeberechtigten übergeht. Die können dann im Nachhinein gegen die Bestattungsform vorgehen. In manchen Fällen kam es dann noch zu einer Umbettung des Toten. Hier ist im Einzelfall der Schutz der Totenruhe mit dem Recht auf Totenfürsorge abzuwägen.

Tipp: Bevollmächtigten für Totenfürsorge einsetzen

Im Testament legen viele neben der Verteilung des Erbes auch ihre Bestattungswünsche fest. Doch der beste Weg sei das nicht. Oft wird es erst nach der Beerdigung überhaupt geöffnet. Lieber sollte man ein Schriftstück aufsetzen, das nach dem Tod gleich gefunden wird. Man gibt es im Idealfall dem Menschen, der alles organisieren soll, und setzt diesen als Bevollmächtigten für die Totenfürsorge ein.“

Quelle: dpa/DAWR/ab

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URL dieses Artikels: https://www.dawr/d1831
 

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