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Arbeitsrecht | 01.02.2021

Arbeits­zeugnis

Woran Sie ein gutes Arbeits­zeugnis erkennen

Der Geheimcode im Arbeits­zeugnis

Für einen erfolgreichen Jobwechsel ist ein gutes Arbeits­zeugnis wichtig. Aber wie erkennen Beschäftigte eigentlich, was gut ist? Vorsicht: Nicht immer ist eine schlechte Bewertung offen­sichtlich.

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„Sie arbeitete gewissenhaft und zu­verlässig“ - hinter einer solchen Formulierung vermutet man als Arbeit­nehmer erst einmal gar nichts Schlechtes. In der Welt der Arbeits­zeugnisse aber entspricht diese Bewertung der Schulnote 3. Da der weitaus größte Teil der Arbeits­zeugnisse eine Gesamtnote 1 oder 2 enthält, ist das schon unter­durchschnittlich.

Die Anforderungen

Aber warum sind Arbeits­zeugnisse immer so positiv formuliert, obwohl eigentlich etwas ganz anderes gemeint ist? Nadine Absenger leitet den Bereich Recht und Rechts­politik bei der Gewerk­schaft Verdi und sagt:

„Ein Arbeits­zeugnis muss nicht nur vollständig, wahrheits­gemäß, in sich wider­spruchsfrei und verständlich geschrieben sein, sondern auch wohlwollend.“ Das haben Gesetzgeber und Gerichte so festgelegt.

„Natürlich ergibt sich da ein Spannungs­feld zwischen der Wahrheit, dem Wohlwollen und der Vollständigkeit - nicht alle Mitarbeiter können immer Best­leistungen erbringen“, fügt Absenger hinzu. Daher hat sich eine Art eigene Sprache etabliert, die für Laien zunächst schwer verständlich ist.

Es kommt auf die Details an

Scheinbar kleine Varianzen in der Formulierung können einen großen Bewertungs­unterschied ausmachen. So entspricht zum Beispiel die Formulierung „arbeitete stets/durchgehend/immer zu unserer vollsten Zufriedenheit“ einer 1, „arbeitete stets/durchgehend/immer zu unserer vollen Zufriedenheit“ dagegen einer 2 und „zu unserer vollen Zufriedenheit/stets zu unserer Zufriedenheit“ der Schulnote 3.

Bei schlechter Mitarbeit können Arbeitgeber auch „zu unserer Zufriedenheit“ (Schulnote 4) schreiben, „im Großen und Ganzen (insgesamt) zu unserer Zufriedenheit“ (Schulnote 5). Ein „hat sich bemüht“ wäre dann schon Schulnote 6 - also „ungenügend“.

Selbst Laien können ein gutes Arbeits­zeugnis also daran erkennen, dass vor jeder Beurteilung ein „immer“, „jederzeit“ oder „stets“ steht. Fach­literatur oder eine kurze Recherche im Internet können dabei helfen, die Formulierungen richtig zu übersetzen. „Wenn man sich als Mitarbeiter unsicher ist, kann man das Arbeits­zeugnis auch prüfen lassen“, empfiehlt Absenger.

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Was ein vollständiges Zeugnis braucht

Neben der Sprache ist auch die Vollständigkeit ein Faktor, den Arbeit­nehmer sich ansehen sollten. Laut Absenger gehört in ein gutes Arbeits­zeugnis zuallererst der offizielle Firmenkopf, eine kurze Vorstellung des Mitarbeiters und der Firma selbst: „Zukünftige Arbeitgeber kennen ja oft nicht unbedingt das Unternehmen, aus dem ein Bewerber aus­geschieden ist.“

Dann sollte das Arbeits­zeugnis die wesentlichen Tätigkeits­felder des Mitarbeiters aufzählen und schließlich auch die Leistung und das Verhalten bewerten. Abschließend fügen viele Unternehmen noch eine Schluss­formel ein, in der dem Mitarbeiter gedankt wird und ihm Wünsche für die Zukunft mit auf dem Weg gegeben werden.

Problematische Schlussformel

„Dieser letzte Teil kann in manchen Fällen ebenfalls problematisch werden“, sagt Absenger. Rechtlich gebe es zwar keinen Anspruch auf diese Schluss­formel. Falls sie aber in einem Arbeits­zeugnis fehlt, wird dies von Personalern häufig als schlechtes Zeichen gedeutet.

„In der Endformal steht auch oft, dass der Mitarbeiter das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen hat. Fehlt ein solcher Satz, liegt der Schluss nahe, dass jemandem gekündigt wurde“, so Absenger.

Auch wenn dem Mitarbeiter innerhalb der Endformal nicht „weiterhin viel Erfolg“, sondern nur „viel Erfolg“ gewünscht wird, kann vermutet werden, dass er im Unternehmen nicht wirklich erfolgreich war.

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Banale Gründe für schlechte Bewertungen

Vielfach hat ein schlechtes Arbeits­zeugnis ganz banale Gründe. „Insbesondere bei kleinen Betrieben ohne eigene Personal­abteilung kann es vorkommen, dass das Arbeits­zeugnis eigentlich gut gemeint ist, aber niemand die speziellen Formulierungen kennt“, sagt Absenger. Oft könne ein klärendes Gespräch dann schon helfen. Im Ernstfall können Betroffene auch vor Gericht ziehen. Das gilt auch, wenn der Arbeitgeber sich weigert, ein Arbeits­zeugnis auszustellen.

„Zu beachten ist hier, dass Arbeit­nehmer zwar ein Recht auf ein Arbeits­zeugnis haben, aber nur, wenn sie es innerhalb der festgelegten Frist explizit anfordern“, unter­streicht Absenger.

Normalerweise beträgt diese Frist drei Jahre, in manchen Arbeits- oder Tarif­verträgen werde aber festgehalten, dass Arbeit­nehmer teilweise nur drei Monate nach dem Ausscheiden noch Rechts­ansprüche haben. „Deshalb würde ich jedem dringend empfehlen, zeitnah zu prüfen, ob ein zufrieden­stellendes Arbeits­zeugnis ausgestellt wurde.“

Bei der Bewerbung zählt nicht nur das Zeugnis

Grund­sätzlich hat jeder Arbeit­nehmer das Recht auf eine befriedigende Bewertung im Arbeits­zeugnis, also auf die Note 3. Will der Arbeit­nehmer eine bessere Note, steht er in der Pflicht zu beweisen, dass er ein besseres Zeugnis verdient hat. Umgekehrt steht der Arbeitgeber bei einer schlechteren Note in der Pflicht zu beweisen, warum der Mitarbeiter kein besseres Zeugnis bekommen soll.

In der Regel ist es die Aufgabe der zuständigen Führungs­kraft zu beurteilen, welche Note ein Mitarbeiter im Arbeits­zeugnis bekommt, sagt Benjamin Stumpp von der Bundes­vereinigung der Deutschen Arbeitgeber­verbände. „Die Endnote kommt dann aufgrund der eigenen Leistung, aber auch im Vergleich mit den Kollegen zustande.“

„Natürlich ist das Arbeits­zeugnis ein wichtiger Faktor, vor allem bei der Vorauswahl der Bewerber. Viel wichtiger ist aber im Endeffekt der Eindruck, den jemand beim Bewerbungs­gespräch hinterlässt“, sagt Stumpp. Zudem sei den Personalern bewusst, dass dieselbe Person in verschiedenen Teams unterschiedlich gut die eigene Leistungs­fähigkeit abrufen kann.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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