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Datenschutz und Verbraucherrecht | 07.10.2021

Dashcam-Kauf

Zeuge an der Front­scheibe: Beim Dashcam-Kauf zählt Bild­qualität

Kameras sollten mindestens in Full-HD aufzeichnen und eine Bild­wiederhol­rate von mindestens 30 Frames pro Sekunde bieten

Dashcams zeichnen etwa Unfälle auf und können so später in einem Rechts­streit oder vor Gericht eine wertvolle Hilfe sein. Doch nicht alles ist beim Filmen erlaubt. Und nicht jede Dashcam taugt etwas.

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Ja, ist der denn noch bei Trost? An der Ampel legt der Fahrer vor einem den Rückwärts­gang ein, kracht rücklings ins eigene Auto und behauptet anschließend allen Ernstes, man wäre bei ihm aufgefahren. Hätte er wohl auch so dreist gelogen, wenn eine Dashcam ihren Dienst an der Front­scheibe versehen und den Unfall­hergang gefilmt hätte?

Dashcams gibt es schon für unter 100 Euro, je nach Modell und Ausstattung können sie aber auch 300 Euro kosten. Interessenten sollten sich vorher überlegen, welche Funktionen sie benötigen, rät Sven Hansen vom „c't“-Fachmagazin. Während einfache Modelle „nur“ das Verkehrs­geschehen auf­zeichneten, filmten teurere Dashcams etwa auch den Innenraum oder den rückwärtigen Verkehr, ließen sich mit dem WLAN zu Hause verbinden, per App steuern oder böten eine Fahrtenbuch-Funktion.

Nebel und Regen als Dashcam-Härtetest

Große Unterschiede gebe es bei der Auflösung und der Wiederhol­rate der aufgenommenen Bilder. „Einige Hersteller versprechen ein glasklares Video, bei schlechten Sicht­verhältnissen wie Nebel, Regen oder Gegenlicht sieht das Ergebnis dann aber deutlich anders aus“, sagt Hansen. Er rät daher dazu, Dashcams auszuprobieren, einzelne Sequenzen zu filmen und sie sich hinterher am Computer anzuschauen.

Kameras sollten mindestens in Full-HD aufzeichnen und eine Bild­wiederhol­rate von mindestens 30 Frames pro Sekunde bieten. Doch auch wenn 60 oder 120 Frames pro Sekunde theoretisch ein besseres Bild liefern, sollte man wissen: „Die Aufnahmen werden in der Kamera komprimiert, so dass das Video unscharf werden kann“, erklärt Hansen.

Kleben als Schleuderstopp

Anstelle eines Saugfußes empfiehlt der Experte bei dauerhafter Nutzung, die Halterung mit der Front­scheibe zu verkleben. Nur so hält sie auch bei einem starken Aufprall und schleudert nicht durch den Innenraum. Grund­sätzlich gilt: Je kleiner und flacher die Kamera, desto weniger stört sie und desto stabiler hält sie an der Scheibe.

Und: „Eine gute Dashcam vergisst man. Sie sollte nicht blinken oder piepen und keine Aufmerksamkeit bei der Fahrt auf sich ziehen und einfach funktionieren“, meint Sven Hansen.

Vor der Inbetrieb­nahme sollte man durchs Daschcam-Menü gehen. Dort findet sich meist auch eine Einstellung für anlassun­abhängiges und dauerhaftes Filmen bis die Speicher­karte voll ist. „Gesetzeskonform ist hingegen nur ein kurzer Videoloop von wenigen Sekunden, der immer wieder überschrieben wird“, sagt Hansen. Von Dashcams-Apps fürs Smartphone rät er ab, ihre Bedienung lenke beim Fahren zu sehr ab.

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Nur ereignisbezogen aufnehmen

Ausschließlich den ereignis­bezogenen Aufnahme­modus empfehlen auch dringend die Verkehrs­clubs. „Die Kamera soll nicht die ganze Zeit filmen, sondern nur den eigentlichen Unfall“, rät Arnulf Thiemel vom Technik­zentrum des ADAC. Viele Geräte arbeiteten deshalb in einer Dauer­schleife und lösten die Speicherung erst bei einem Ereignis aus.

Den Befehl dazu geben Sensoren, die starke Erschütterungen sowie eindeutige Brems- und Ausweich­manöver registrieren. Auch die ein bis zwei Minuten vor und nach dem Ereignis wandern in den Speicher.

Bei der Montage muss man darauf achten, dass das Sichtfeld der Fahrerin oder des Fahrers frei bleibt. Das gilt für das Gerät, aber auch für die Strom­versorgung. „Baumelnde Kabel können die Sicht und somit das Fahren behindern, daher sollten sie sauber verlegt werden“, mahnt Thiemel. Vorsicht: Wer Ver­kleidungen entfernt, um Kabel darunter zu verlegen, behindert unter Umständen die korrekte Entfaltung von Airbags. Daher sollte diese Arbeiten eine Fach­werkstatt übernehmen.

Filmmaterial kann be- und entlasten

Uwe Lenhart, Fachanwalt für Verkehrs- und Strafrecht, schätzt Dashcams als durchaus hilfreich bei der Beweis­führung eines Unfalls: „In der Praxis stützen sich Straf­verfolger auf bestehende Video­aufzeichnungen, sowohl zur Be- als auch Entlastung von Beschuldigten. Kein Jurist verschließt die Augen, wenn ein Film vom Unfall- oder Tatvorgang existiert.“

Anwalt Lenhart hat schon mehrere Verfahren erlebt, bei denen durch Video­aufzeichnungen der Vorwurf einer Straßen­verkehrs­gefährdung, Nötigung oder fahr­lässigen Körper­verletzung entkräftet werden konnte. Und er weist auf eine Ent­scheidung des Bundes­gerichts­hofs (BHG) aus dem Jahr 2018 hin (Bundesgerichtshof, Urteil vom 15.05.2018, Az. VI ZR 233/17).

Laut dem BGH-Urteil kann selbst eine permanente, anlasslose Aufzeichnung in einem Unfall­haftpflicht­prozess verwertbar sein, also obwohl gegen Datenschutz­recht verstoßen wurde. Aber allein schon um Bußgelder und Ärger mit den Daten­schutz­aufsichts­behörden zu vermeiden, sollte man nur gesetzeskonform aufzeichnen.

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Nicht übers Dashcam-Ziel hinausschießen

„Entscheidend für die Nutzung ist zudem, dass die Aufnahmen für eine Beweis­sicherung geeignet sind“, erklärt Verkehrs­rechts­anwalt Uwe Lenhart. Im Stillstand, also etwa beim Parken, darf die Kamera nicht permanent laufen. Zumindest dann nicht, wenn hierdurch etwa Nachbarn video­überwacht werden und sich dem nicht entziehen können.

„Der unmittelbare Raum des Autos kann aber gefilmt werden, wenn berechtigtes Interesse des Auto­besitzers besteht“, erklärt Lenhart. Das könnte beispiels­weise ein vorausg­egangener Schaden durch Unfall­flucht oder Vandalismus sein.

Dashcam-Aufnahmen archivieren darf man Grund­sätzlich ebenso wenig wie sie etwa ohne Zustimmung Betroffener im Netz zu veröffentlichen. „Eine Ausnahme gilt nur für die Aufbewahrung zur Beweis­sicherung“, sagt Lenhart. „Wer die Aufnahmen von dem Unfall oder der Sachbeschädigung zur späteren Vorlage bei der Polizei oder dem Gericht speichert, handelt nicht rechts­widrig.“

Quelle: dpa/DAWR/ab
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