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Steuerrecht | 14.11.2016

Wohn-Riester-Verträge

Zulagen vom Staat und Steuer­vorteile: Wie funktionieren Wohn-Riester-Verträge?

Experten geben Antworten auf einige wichtige Fragen

Wohn-Riester-Verträge sind attraktiv - es winken Zulagen vom Staat und Steuer­vorteile. Damit lassen sich zum Beispiel Darlehen für das Eigenheim schneller abzahlen. Aber es gibt auch einen Haken: Im Alter kommen auf Wohn-Riester-Sparer Steuer­forderungen zu.

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Zulagen vom Staat und Steuer­vorteile -Wohn-Riester-Verträge können den Weg zur eigenen Immobilie ein wenig einfacher machen. Die Eigenheim­rente gibt es seit November 2008. Seitdem hat sich nach Angaben des Bundes­arbeits­ministeriums der Bestand der Verträge auf über 1,6 Millionen erhöht. Aber wie funktioniert Wohn-Riester?

Welche Finanzierungsformen für Wohn-Riester kommen in Frage?

Das sind Annuitäten­darlehen, Bauspar­kombi­finanzierungen oder Bauspar­verträge. „Auch Entnahmen aus anderen Riester-Verträgen sind möglich“, erläutert Ralf Scherfling von der Verbraucher­zentrale Nordrhein-Westfalen. Das Geld kann zum Beispiel zur Umschuldung bestehender Immobilien­darlehen genutzt werden. Das angesparte Guthaben lässt sich auch zur Ent­schuldung von Haus oder Wohnung einsetzen. Möglich ist außerdem, die Förderung für einen alters- oder behinderten­gerechten Umbau in Anspruch zu nehmen.

Wie hoch ist die Förderung?

Wohn-Riester-Sparer erhalten eine jährliche Zulage vom Staat in Höhe von bis zu 154 Euro. Hinzu kommen 185 Euro für jedes vor 2008 geborene Kind und 300 Euro für jedes später geborene Kind. Das Geld fließt als zusätzliche Tilgung in den Vertrag und reduziert die Darlehens­höhe. „Dazu kommen mögliche Steuer­vorteile - maximal 2.100 Euro pro Jahr zählen als Sonder­ausgaben“, erklärt Jörg Sahr von der Stiftung Warentest in Berlin. Die Zulagen werden allerdings von der Steuer­ersparnis aus dem Sonder­ausgaben­abzug abgezogen. „Um die vollen Zulagen zu erhalten, müssen Sparer im Jahr vier Prozent des renten­versicherungs­pflichtigen Vorjahres­einkommens - Zulagen mitgerechnet - einzahlen“, sagt Jörg Sahr von der Stiftung Warentest in Berlin.

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Welche Voraussetzungen müssen für einen Vertragsschluss erfüllt sein?

Im Einkommens­steuer­gesetz ist geregelt, wer Wohn-Riester nutzen darf. Das sind beispiels­weise renten­versicherungs­pflichtige Arbeit­nehmer und Auszubildende, aber auch Beamte. Berufs­soldaten sowie geringfügig Beschäftigte können Wohn-Riester ebenfalls nutzen. „Berechtigte können sich die Förderung sowohl in der Anspar- als auch in der Tilgung­sphase sichern“, sagt Alexander Nothaft vom Verband der Privaten Bauspar­kassen in Berlin.

An welche Bedingungen sind die Verträge geknüpft?

Wer eine Immobilie über Wohn-Riester finanziert, muss dort selbst einziehen. Dabei kann es sich etwa um eine Wohnung im eigenen Haus, eine Eigentums­wohnung oder eine im Register eingetragene Genossenschafts­wohnung handeln. „Unter ganz bestimmten Umständen und mit vorheriger Genehmigung kann es aber möglich sein, die Immobilie während des Erwerbs­lebens zeitlich befristet zu vermieten“, sagt Ralf Scherfling von der Verbraucher­zentrale Nordrhein-Westfalen. Spätestens in der Rentenphase muss der Sparer selbst dort einziehen.

Was sind Vorteile von Wohn-Riester?

„Die hohe Akzeptanz von Wohn-Riester erklärt sich dadurch, dass die Förderung in der Darlehens­phase wie ein Tilgungs­turbo wirkt“, sagt Alexander Nothaft vom Verband der Privaten Bauspar­kassen in Berlin. Mit anderen Worten: Man ist schneller schulden­frei. „Der wirtschaftliche Vorteil eines geförderten gegenüber einem nicht-geförderten Darlehen kann über den gesamten Finanzierungs­zeitraum hinweg mehr als 10.000 Euro betragen“, so Jörg Sahr von der Stiftung Warentest in Berlin.

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Was ist mit der Besteuerung?

Auch Wohn-Riester-Verträge unterliegen der nachgelagerten Besteuerung: Vor der Rente werden weniger Steuern fällig, ab dem Rentenalter müssen die Förderungen nach­versteuert werden. „Bei Wohn-Riester geht es um die Auflösung des Wohnförder­kontos“, erklärt Scherfling. Das ist ein fiktives Konto, in das jährliche Tilgungs­leistungen bis maximal 2.100 Euro fließen können.

Zum Jahresende wird das Geld auf dem Konto mit zwei Prozent verzinst. Spätestens mit 68 muss das Wohnförder­konto aufgelöst werden. Dann muss der bis dahin aufgebaute Kontostand versteuert werden - entweder sofort mit einem 30-prozentigen Rabatt oder die Summe wird ohne Rabatt bis zum 85. Lebensjahr verteilt. „Wer die zweite Variante wählt, kann jederzeit den noch offenen Betrag unter Berücksichtigung des Rabatts in einer Summe versteuern“, so Ralf Scherfling von der Verbraucher­zentrale Nordrhein-Westfalen.

Können Fördermittel auch verloren gehen?

Ja, zum Beispiel wenn der Eigentümer etwa aufgrund eines beruflich bedingten Wechsels in eine andere Stadt bereits vor dem Ruhestand aus der Immobilie auszieht und sie verkauft. In solchen Fällen kommt es zu einer sofortigen vollständigen Besteuerung des Wohnförder­kontos. Außerdem wird die Zahlung der Förder­mittel gestoppt. Dem entgehen kann man allerdings, wenn man am neuen Ort neu baut oder kauft und dort einzieht. Das angesparte Kapital kann auch auf einen Geld-Riester-Vertrag übertragen werden. Betroffene sollten rechtzeitig bei der Zentralen Zulagen­stelle für Alters­vermögen nachfragen, um eine Rück­zahlung der Förderung zu vermeiden.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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