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Strafrecht | 15.05.2017

Ehefrau erstochen

Deutschland: Angeklagter wünscht sich die Todesstrafe

Ein Mann ist angeklagt, seine Frau auf Rügen erstochen zu haben. Er bekennt sich indirekt zu der Tat - und fordert für sich im Falle einer Verurteilung die Todesstrafe.

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Strafverfahren vor dem Landgericht Stralsund

Ein alter Mann betritt den Gerichts­saal: Sein Rücken ist gebeugt, die Haare grau, der Schritt schlurfend - nicht nur, weil er Fußfesseln trägt. Mohamed A. ist 54 Jahre alt - angeklagt, seine Ehefrau auf der Insel Rügen mit einem Küchen­messer erstochen zu haben. Bis zur Tat am Morgen des 23. November 2016 glaubte eine Nachbarin, er wäre der Vater der 41-jährigen Getöteten.

Seit Montag muss sich der Angeklagte vor dem Stralsunder Landgericht wegen Totschlags verantworten. Er soll seine Frau, die wie er aus Syrien stammt, mit acht Messer­stichen umgebracht haben. Dem Staats­anwalt zufolge floh die Frau mit lebensgefährlichen Verletzungen an Brust und Bauch noch auf die Straße, wo sie starb.

Der Mann wurde dort mit dem Messer in der Hand festgenommen.

Im August 2014 war das Ehepaar mit seinen zwei minderjährigen Kindern nach Deutschland geflüchtet. Auf Wunsch seiner Frau habe er Haus und Auto in Syrien verkauft. „Wir wollten, dass die Kinder in die Schule gehen können“, sagt er zum Beweggrund der Flucht. Doch schon die Reise riss die Familie auseinander. Zwei größere Söhne im Alter von 17 und 22 Jahren, die ebenfalls mit der Familie die Heimat verlassen hatten, seien auf dem Weg nach Europa wieder nach Syrien zurück­gekehrt, erklärt er mit Hilfe eines Dolmetschers. Ein weiterer erwachsener Sohn lebte bereits in Deutschland.

Während seine Frau und die Kinder sich auf das Leben in Deutschland einstellten, machte sich bei ihm eine große Fassungs­losigkeit und zunehmende Eifersucht breit. Er habe nicht verstanden, dass seine Kinder ein zunehmend selbstständiges Leben in Deutschland führen wollten und dabei von seiner Frau unterstützt wurden: „Ich hatte das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu sein.“

Deshalb sei es in der Vergangenheit zwischen ihm und seiner Frau mehrfach zu Auseinander­setzungen gekommen. Zwischen­zeitlich war das Paar getrennt, er lebte für einige Zeit sogar auf der Straße, bis er bei einem anderen Asyl­bewerber unterkam. Eigentlich, so sagt er, habe er Syrien nur verlassen, um seine Frau zu behalten.

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Scheinbar eindeutige Beweislage

Die Beweislage scheint eindeutig, auch wenn der Mann die Tat am ersten Prozesstag nur indirekt einräumt. Mehrere Nachbarn erzählen, dass sie beobachteten, wie der Mann mit dem Messer in der Hand auf der Straße vor seiner sterbenden Frau stand. Der 54-Jährige gibt an, zuvor mit seiner Frau in der Wohnung in Streit geraten zu sein, nachdem diese ihm angedroht hatte, ihn zu verlassen. Im Streit sei er in die Küche gegangen und habe ein Messer geholt.

Auf die Frage, wer seine Frau getötet habe, antwortet er ausweichend: „Ich war allein mit ihr in der Wohnung.“ Es sei doch eindeutig, was dort passiert sei. Erinnern könne er sich an den Ablauf nicht mehr. Vom Gericht fordert er ein „gutes Urteil“. Er wolle die Todesstrafe haben. „Wenn ich mich weiter daran erinnere, sterbe ich jeden Tag mehrere Tode“, begründet er sein Verlangen.

Die Richterin - sichtbar bestürzt von dieser Aussage - erklärte ihm, dass es in Deutschland zum Glück keine Todesstrafe gebe. „Ich wäre nicht Richterin, wenn wir die Todesstrafe hätten“, sagte sie. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

Siehe auch:

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Quelle: dpa/DAWR/pt
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