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Strafrecht | 26.08.2016

Mord

Hannover: Knochenfund deutet auf Mord vor mehr als 300 Jahren hin

Bei Renovierungs­arbeiten wurde möglicher­weise Leiche eines seit 1694 verschwundenen Grafen entdeckt

Vor fast genau 322 Jahren verschwand ein hannoverscher Graf spurlos, die Rede war seinerzeit von Mord. Nun ist bei Bauarbeiten unter dem Leine­schloss eine Leiche gefunden worden. Nun könnte das Rätsel um den Adeligen gelöst werden.

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Knochen könnten die sterblichen Überreste von Graf Philipp Christoph von Königsmarck sein

Bei Renovierungs­arbeiten im Leine­schloss in Hannover sind die Bauarbeiter auf menschliche Knochen gestoßen. Es könnte sichersten Ermittlungen zufolge um die sterblichen Überreste von Graf Philipp Christoph von Königs­marck handeln, der in der Nacht zum 1. Juli 1694 in Hannover spurlos verschwunden war. Damit könnte möglicher­weise ein mehr als 300 Jahre alter Kriminal­fall, der seinerzeit zu einer Staats­affäre führte, doch noch gelöst werden.

Genaue Todesursache konnte nicht festgestellt werden

„Die Leiche lag in rund acht Metern Tiefe unter dem Fundament“, sagte Thomas Klinge, Sprecher der Staats­anwaltschaft Hannover. Die Staats­anwaltschaft wurde nach dem Fund eingeschaltet: Die Knochen waren am 10. August entdeckt und der Polizei übergeben worden. In der Medizinischen Hochschule Hannover nahmen Rechts­mediziner die sterblichen Überreste unter die Lupe. Eine genaue Todes­ursache konnten die Experten allerdings nicht mehr feststellen.

Graf Philipp Christoph von Königsmarck hatte Affäre mit verheirateter Prinzessin

Graf Philipp Christoph von Königs­marck war ein Offizier und Hofkavalier und lebte mit seinem Hausstand von 29 Dienern und 52 Pferden in Hannover. Er hatte eine Liebes­beziehung mit Prinzessin Sophie Dorothea von Braunschweig und Lüneburg, mit der er seit seiner Jugend befreundet war. Die Dame war allerdings bereits vergeben, im Alter von 16 Jahren musste sie ihren Vetter, Herzog Georg Ludwig zu Braunschweig und Lüneburg, den späteren König Georg I. von Groß­britannien, heiraten. Die politisch motivierte Ehe war wohl eher unglücklich.

Flucht mit der Geliebten wurde verraten

Mit ihrem Geliebten plante die Adlige im Sommer 1694 ihre Flucht. Doch Gräfin Clara Elisabeth von Platen, eine Mätresse des Kurfürsten, entdeckte die verbotene Liaison und den Fluchtplan. Sie verriet die beiden. Daraufhin verschwand der Graf im Leine­schloss spurlos.

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DNA soll mit lebenden Nachfahren verglichen werden

Die gefundenen Knochen sollen der Stadt Hannover übergeben werden. Eine sogenannte mitochondriale Untersuchung könnte weitere Aufschlüsse geben. Dabei wird DNA aus dem Gewebe oder den Knochen entnommen. „Archäologen könnten die DNA mit der von noch lebenden Nachfahren des Grafen von Königs­marck vergleichen“, sagte Oberstaats­anwalt Klinge. Sollte es eine Über­einstimmung geben, „dann könnten wir doch noch den Nachweis erbringen, dass es Mord war“.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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