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Verwaltungsrecht | 02.06.2016

Entlassung

Urteil: Polizei­anwärter wegen Dessous-Diebstahls entlassen

Kommissar­anwärter dringt in Wohnung einer Kollegin ein und entwendet ihre Unter­wäsche

(Verwaltungsgericht Düsseldorf, Urteil vom 02.06.2016, Az. 2 K 6183/16)

Aus der Wohnung einer jungen Polizistin verschwindet Unter­wäsche. Ein Kollege gerät in Verdacht und wird schließlich entlassen. Ein Richter muss über den Rauswurf entscheiden und sagt: „Ich bin seit 13 Jahren Richter, und es wurde mir selten so schwer gemacht.“

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Ex-Freund stiehlt Unterwäsche

Immer wieder vermisst die junge Polizei­anwärterin aus Gelsenkirchen Unter­wäsche. Die 22-Jährige kann sich keinen Reim darauf machen, bis sie am Rosenmontag mehrere Anrufe ihrer Nachbarin erhält: Die hat durch den Türspion beobachtet, wie der Ex-Freund der jungen Frau aus deren Wohnung kommt. Zeugen zufolge war der Kommissar­anwärter an mehreren Tagen immer wieder im Haus herum­geschlichen. Als die Wohnung des 29-Jährigen durchsucht wird, übergibt er den Beamten eine Tüte mit 15 BHs und einen Schlüssel für die Wohnung. Denn, so stellt es das Gericht fest, hatte er sich nachmachen lassen.

Daraufhin wird der Kommissaranwärter erst suspendiert und dann entlassen

Doch er klagt gegen seinen Rauswurf. Richter Andreas Müller rollt den Fall vor dem Düsseldorfer Verwaltungs­gericht auf. Der Kläger selbst erscheint nicht, dafür tritt seine Mutter in den Zeugenstand. Zur fraglichen Zeit habe sie -es war der Rosenmontag - mit ihrem Sohn in Castrop-Rauxel gefrühstückt. Dann habe er sie zur Arbeit in einem Einkaufs­zentrum gefahren, wo sie noch eine gemeinsame Bekannte getroffen hätten. Die Dame bestätigt dies als Zeugin.

Richter glaubt Zeugin nicht

Es steht Aussage gegen Aussage. „Ich bin seit 13 Jahren Richter, und es wurde mir selten so schwer gemacht“, bekennt Richter Müller. Nach Abwägung der Beweislage entscheidet er: „Der Mutter glauben wir nicht.“ Zwar könne der Sohn es noch geschafft haben, nach der Tat seine Mutter rechtzeitig zur Arbeit zu fahren, aber das gemeinsame Frühstück werde es an dem Tag so wohl nicht gegeben haben.

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Nachbarin fotografierte den Eindringling durch Türspion

Die ängstliche Nachbarin hatte den Eindringling sogar durch den Türspion fotografiert, kann Whats-App-Protokolle vorlegen und ist sich ganz sicher, den Ex-Freund erkannt zu haben, mit dem sie noch kurz zuvor über mögliche Urlaubs­ziele geplaudert hatte.

Richter hält Kommissaranwärter für eine Stalker und Lügner

Das Gericht findet im Urteil harte Worte für den Kommissar­anwärter: Es hätten sich bei ihm „erhebliche charakterliche Defizite“ gezeigt, sagt Richter Andreas Müller. Der Mann sei ein Stalker, er lüge, habe sich vor Kollegen über Obdachlose lustig gemacht. Und sei mit einem Nach­schlüssel in die Wohnung seiner Kollegin und Ex-Freundin eingedrungen und habe deren Unter­wäsche gestohlen.

Außerdem habe er wegen einer nicht bestandenen Schieß­prüfung gelogen, was er selbst zugegeben habe, und eine Ausbilderin diffamiert. Dies alles müsse der Dienstherr nicht dulden (Az.: 2 K 6183/16).

Anwalt des Klägers versuchte vergeblich die Kündigung zu verhindern

Vergeblich hatte der Anwalt des Klägers argumentiert, die 22-Jährige habe ja jede Menge Kleidungs­sachen in der Wohnung ihres Ex-Freundes deponiert und dort auch regelmäßig übernachtet. Wieso ausgerechnet die Dessous gestohlen sein sollten, erschließe sich ihm nicht. Doch die Polizei­anwärterin, die am Rosenmontag im Einsatz war, ist sich ganz sicher, keine Unter­wäsche bei ihrem damaligen Freund gelassen zu haben. „Die habe ich immer selbst gewaschen.“

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Quelle: dpa/DAWR/ab

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